Antworten auf Salafismus

Etliche vermummte Personen marschieren mit Flaggen und Gewehren.

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Was ist Jihad/Dschihad?

„Jihad“ oder „Dschihad“ bedeutet: Bemühung bzw. Anstrengung. Salafisten argumentieren, dass es eine in Vergessenheit geratene „Glaubenspflicht“ gäbe, nämlich den militanten bzw. militärischen Jihad. Danach sei jeder Muslim verpflichtet, unterdrückte Glaubensbrüder militärisch zu unterstützen.


„Kleiner“ und „großer“ Jihad

Jihad meint wörtlich „Bemühung“ oder auch „Anstrengung“. Die islamische Tradition kennt sowohl den „kleinen Jihad“ als auch den „großen Jihad“:

  • Der „große Jihad“ ist friedlich. Er bezeichnet das geistig-spirituelle Bemühen der Gläubigen um das richtige religiöse und moralische Verhalten gegenüber Gott und den Mitmenschen.
  • Der „kleine Jihad“ ist kriegerisch. Er beschreibt den kämpferischen Einsatz zur Verteidigung oder Ausdehnung des islamischen Herrschaftsgebiets. Von militanten Gruppen wird der Jihad häufig als religiöse Legitimation für Terroranschläge oder Befreiungskämpfe verwendet.

„Jihad“ in salafistischer Deutung

Es gibt fünf klassische islamische Glaubenssäulen: das Glaubensbekenntnis, das Gebet, das Fasten, die Almosen/Armensteuer und die Pilgerfahrt nach Mekka. Salafisten verbreiten die Ansicht, eine „sechste Glaubenspflicht“ sei in Vergessenheit geraten: der militante bzw. militärische Jihad. Danach sei jeder Muslim verpflichtet, seine unterdrückten Glaubensbrüder – ob in Afghanistan, Tschetschenien, Somalia oder Syrien – militärisch zu unterstützen.


Salafismus: Jihad als „Heiliger Krieg“

Jihadistische Salafisten berufen sich vornehmlich auf den „kleinen Jihad“. Sie interpretieren den Jihad als einen gewalttätigen Kampf und damit als „Heiligen Krieg“. Jihadistische Salafisten sehen sich als „Gotteskrieger“ oder „Kämpfer für die Sache Allahs“. Gewalttaten rechtfertigt für sie angeblich der Islam. Oder sie erklären sie einfach zu einem „Befehl Allahs“. Jihadisten rufen zum weltweiten Kampf gegen die vermeintlichen Feinde des Islams auf. Gewalttäter oder Gewalttäterinnen, die bei Kampfeinsätzen getötet werden, rühmen sie als „Märtyrer“ für die Sache Gottes.

Kampfsituation: Ein Mann, bewaffnet mit einem Gewehr.
Der „kleine Jihad“ ist kriegerisch. Salafisten sind der Ansicht, dass jeder Muslim verpflichtet sei, unterdrückte Glaubensbrüder militärisch zu unterstützen.

Für Fachleute: JIHADISMUS ALS GEWALTIDEOLOGIE

„Zahlreiche gewaltorientierte Argumentationsmuster haben sich im Verlauf der konkreten Gewaltgeschichte terroristischer Organisationen – dokumentiert in Selbsterklärungen, Tatbekennungen und Mobilisierungsaufrufen, Rechtsgutachten oder Videobotschaften etc. – zu einem ideologischen Katalog verdichtet, sodass von Jihadismus als verselbstständigter Gewaltideologie zu sprechen ist. Diese Gewaltideologie hat sich von autoritativen islamrechtlichen Abwägungsprozessen gelöst und ist – vor allem im Internet – auch in zahlreichen Übersetzungen frei verfügbar. (…)Hatte sich diese Gewaltideologie vor allem im Zuge der Entwicklung von al-Qaida herausgebildet, wird diese durch die „Erfolge“ des sogenannten „Islamischen Staates“ (IS) und deren propagandistischer Aufbereitung noch intensiviert.“

(Zitiert aus: Bundesamt für Verfassungsschutz, Jihadismus als Gewaltideologie – Der Missbrauch des Islam für terroristische Zwecke)


Missbrauch der Religion für den Jihad

Anders als von Jihadisten behauptet, verbietet der Islam nach einstimmiger Auffassung religiöser Autoritäten sowohl Mord als auch Selbstmord. Der bewaffnete Kampf (um muslimische Gebiete zu verteidigen) ist nur unter eng definierten Bedingungen zulässig. Religionsgelehrte müssen ihn ausdrücklich billigen. Führende Terroristen wie einst Usama Bin Ladin oder der Anführer des sogenannten Islamischen Staates Abu Bakr al-Baghdadi sind keine Rechtsgelehrten. Deshalb sind sie nicht befugt, einen gewaltsamen Jihad auszurufen oder für ihn zu werben. Terrorismus – also die Ausübung schwerster Gewalttaten gegen Menschen und Einrichtungen – ist unter keinen Bedingungen mit den islamischen Normen vereinbar.

Hand hält Gebetsketten.
Der „große Jihad“ ist friedlich. Er bezeichnet das geistig-spirituelle Bemühen des Gläubigen und das richtige Verhalten Gott und den Mitmenschen gegenüber.

Terrorismus ist unter keinen Bedingungen mit den islamischen Normen vereinbar. Jihadistische Propaganda ist unislamisch.

Jihadistische Propaganda und die Rechtfertigung terroristischer Anschläge sind unislamisch. Sie missbrauchen die Religion für Zwecke der politischen Machtgewinnung. Terroristen legen religiöse Begriffe bewusst falsch aus. Damit wollen sie junge Menschen beeinflussen und für ihre Ziele gewinnen.

Jihadistische Propaganda ist unislamisch. Und ihre Anhänger?

Junge Menschen, die sich – auf der Suche nach Sinn, Ordnung und Ziel ihres Lebens – dem jihadistischen Weltbild anschließen, konvertieren auf diese Weise nicht zum wahren Islam, sondern zum jihadistischen Salafismus. Salafistische Gruppen bestärken sie dabei; sie treiben sie weiter in die Abschottung von ihrer Familie und ihren Freunden und unterstützen damit den Weg in die Gewalt.

Junge Menschen, die sich dem jihadistischen Weltbild anschließen, konvertieren nicht zum wahren Islam – sondern zum jihadistischen Salafismus.


Cyber-Jihad und Cyber-Armee

In den vergangenen Jahren griffen Islamisten wiederholt auch Websites und Computernetzwerke an. IS-nahe Gruppen haben Cyber-Attacken als geeignetes Mittel im Kampf gegen den Westen angepriesen. Die Terror-Organisation Islamischer Staat (IS) stellt eine jihadistische „Cyber-Armee“ auf und versuchte, Personen mit IT-Kenntnissen zu rekrutieren. Hierzu zählten auch Personen mit Bezügen nach Deutschland.

Weltbilder basteln mit „Copy-and-paste“

Im Internet findet sich eine Vielzahl vermeintlich autorisierter Rechtsgutachten, Schriften, Predigtauszüge oder Erläuterungen, die Terrorismus rechtfertigen. Sie sind in verschiedene Sprachen übersetzt und gut verständlich aufbereitet. Als Folge ist ein „Copy-and-paste“-Jihadismus zu beobachten: Personen ohne oder mit nur geringen Arabischkenntnissen und ohne gefestigte religiöse Vorbildung kopieren sich ihren „eigenen“ Jihad zusammen.


Warum reisen Salafisten in den Jihad?

Als Spitze salafistischer Radikalisierung werden vor allem die Ausreise nach Syrien und teilweise die Weiterreise in den Irak zur Beteiligung an den dortigen Konflikten wahrgenommen. Gerade für die Jihadisten – also die militanten, gewaltbereiten Salafisten – in Europa liefern die blutigen Konflikte eine wichtige Rechtfertigung. Der Zustrom in die Kampfgebiete hatte allerdings ab 2017 deutlich abgenommen. Mittlerweile finden Ausreise aus Deutschland nach Syrien und in den Irak praktisch nicht mehr statt. Parallel zu dieser Entwicklung begannen in Europa wohnhafte Jihadisten die Durchführung von Anschlägen in ihren Heimat- beziehungsweise Aufenthaltsstaaten als Alternative zu Ausreisen ins Kampfgebiet zu betrachten.
Aktuelle Zahlen zu Ausreisefällen aus Bayern finden Sie auf der Website des Bayerischen Landesamtes für Verfassungsschutz: Statistik zu Ausreisefällen.

Obwohl mit dem territorialen Niedergang des IS in Syrien und im Irak die Ausreisezahlen erheblich rückläufig waren, muss damit gerechnet werden, dass auch künftige Jihad-Schauplätze Ausreisedynamiken hervorrufen können. Die Gründe für eine Ausreise in den Jihad sind hierbei vielfältig und teils sehr individuell. Persönliche Umstände sowie religiöse und politische Argumente fließen zusammen. Mögliche Gründe können sein:

  • Bedürfnis nach Gemeinschaftserlebnis, Gruppenzugehörigkeit und Anerkennung
  • Abenteuerlust
  • Bedürfnis, ein „Held“ bzw. „richtiger Mann“ zu sein
  • Flucht vor Alltagsproblemen in der Heimat
  • Wunsch, in einer rein „islamischen Umgebung“ zu leben. Sie scheint in den Augen von Ausreisewilligen in den von Jihadisten kontrollierten Gebieten zu existieren
  • Überzeugung, dass durch den Kampfeinsatz eine Glaubenspflicht erfüllt wird
  • Erwartung einer Belohnung im Jenseits
  • Gewaltfantasien
  • Vermeintliche Unterstützung von Glaubensgeschwistern in Bedrängnis

Eine gemeinsame Analyse des Bundeskriminalamts (BKA), des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV) und des Hessischen Informations- und Kompetenzzentrums gegen Extremismus (HKE) gibt Aufschluss über Radikalisierungshintergründe und -verläufe der Personen, die aus islamistischer Motivation aus Deutschland in Richtung Syrien oder Irak ausgereist sind.

Rückkehrer und Rückkehrerinnen – und auch Personen, deren Ausreise in ein Jihadgebiet gescheitert ist oder verhindert wurde – stellen ein unkalkulierbares Risiko dar.


Welche Gefahr geht von Rückkehrern und Rückkehrinnen aus dem Jihad aus?

Eine besondere Gefahr für die Innere Sicherheit in Deutschland geht von kampferfahrenen und möglicherweise traumatisierten Rückkehrern und Rückkehrerinnen aus Syrien und dem Irak aus. Man muss davon ausgehen, dass

  • sie an Kämpfen beteiligt waren und im Umgang mit Waffen und Sprengstoff geschult wurden,
  • Erlebnisse im Kriegsgebiet ihre Radikalisierung und/oder Traumatisierung (seelische Verletzung) vertiefen können,
  • ihre Hemmschwelle für die Anwendung von Gewalt deutlich gesunken ist.

In der islamistischen Szene haben Rückkehrer und Rückkehrerinnen meist ein hohes Ansehen und können einer weiteren Radikalisierung bislang nicht gewaltorientierter Islamisten Vorschub leisten. Dabei üben sie insbesondere auf junge Menschen eine große Anziehungskraft aus.


Hintergrund: „Islamischer Staat“ (IS) und al-Qaida

Wie sind der sogenannte „Islamische Staat“ und das al-Qaida-Netzwerk entstanden? Welche Ideologie verbreiten sie? Stehen sie in Konkurrenz zueinander? Hier finden Sie Antworten und interessante Hintergrundinfos.

Was ist der „Islamische Staat“ (IS)?

Die salafistisch-jihadistische Terrororganisation IS hat ihre Wurzeln im Irak. Nach dem Sturz von Saddam Hussein im Jahr 2003 bildete sich dort unter der Führung des jordanischen Terroristen Abu Musab Al-Zarqawi eine al-Qaida-Zelle, die sich zunächst als „al-Qaida im Zweistromland“ bezeichnete und ihren Namen in den folgenden Jahren mehrfach wechselte. Im Irak verübte die Terrororganisation wiederholt Anschläge. Einige Jahre nach dem Tod al-Zarqawis übernahm der kürzlich getötete Iraker Abu Bakr al-Baghdadi die Führung. Vor dem Hintergrund des syrischen Bürgerkriegs ist die Organisation seit 2012 auch in Syrien aktiv. In den Folgejahren etablierte der IS in zahlreichen anderen islamischen Ländern, auch außerhalb der arabischen Welt, sogenannte Provinzen. Beispielsweise in Libyen ging dies auch mit der Erlangung zeitweiser Gebietskontrolle einher.

Mann mit IS-Flagge. Darüber das Wort „Verboten“.
Ziel des Al-Qaida-Netzwerks und des IS ist es, das Kalifat (den „Gottesstaat“) im Nahen Osten zu errichten.
  • Entstehung und Entwicklung

2013 änderte die Terrororganisation vor dem Hintergrund weitreichender militärischer Erfolge erneut ihren Namen, zunächst in Islamischer Staat im Irak und Großsyrien (ISIG). Damit drückte die Terrororganisation ihren überregionalen Führungsanspruch aus. Mitte 2014 wurde das „Islamische Kalifat“ ausgerufen und die Organisation trat unter der Bezeichnung Islamischer Staat (IS) auf. IS steht somit in dieser Region in direkter Konkurrenz zu al-Qaida.

Das Kalifat bezeichnet sowohl ein Amt als auch ein Herrschaftsgebiet. Der Begriff geht auf das arabische „khalifa“ zurück und bedeutet Nachfolger des Propheten Muhammad. Der Titel ist gleichbedeutend mit dem rechtmäßigen Führer der sunnitischen Gläubigen. Den letzten Kalifen stellte das Osmanische Reich. Der Titel wurde 1924 durch Kemal Atatürk abgeschafft. Das Streben nach der Wiedereinführung des Kalifats ist ein wesentliches Kennzeichen islamistischer Ideologie.

Der IS unterscheidet sich in Ideologie und Zielen nicht grundlegend von anderen jihadistisch-salafistischen Gruppen. Es gibt jedoch Unterschiede in der ideologischen Schwerpunktsetzung und im strategischen Ansatz. Eine besondere Rolle spielt dabei die Rechtfertigung des Kalifats. Das Kalifat ist auch für al-Qaida ein Ziel, allerdings kann das Kalifat für al-Qaida nur am Ende eines mehrstufigen Prozesses stehen. Die Strategie al-Qaidas sieht vor, zunächst Rekruten zu ideologisieren, westliche Einflüsse in arabischen Ländern zu bekämpfen, Landgewinne zu erzielen und schließlich pro-westliche Regierungen im Nahen Osten zu stürzen. Erst danach wird die „Entscheidungsschlacht“ zwischen den „Rechtgläubigen“ und den „Ungläubigen“ angestrebt, an deren Ende das Kalifat steht. Der IS hingegen sieht diese Entscheidungsschlacht unmittelbar bevorstehen und ruft Muslime weltweit auf, sich daran zu beteiligen.
Der IS ist aus den von ihm zuvor in Syrien und im Irak eroberten Gebieten inzwischen nahezu vollständig vertrieben worden. Mit der Rückeroberung der irakischen Stadt Mossul durch irakische Sicherheitskräfte und der Einnahme der vom IS als „Hauptstadt“ genutzten syrischen Stadt Raqqa durch kurdisch-arabische Milizen hat der IS seine beiden wichtigsten organisatorischen Zentren verloren.
Trotz der territorialen Verluste ist davon auszugehen, dass der IS seine Propaganda fortsetzen und verstärkt im Internet Einzelpersonen oder Kleingruppierungen radikalisieren und im Einzelfall bei ihren Anschlägen steuern wird. Vom IS inspirierte, aber nicht unmittelbar der Gruppierung zugehörige Täter können zudem ihre Anschläge „posthum“ dem IS widmen. Dieses „virtuelle“ Kalifat darf in seiner Gefährlichkeit und Reichweite keinesfalls unterschätzt werden.

  • Auftreten in Deutschland und Bayern

Der IS verfügt innerhalb des salafistischen Spektrums in Deutschland bzw. Bayern – nicht zuletzt aufgrund seiner hohen Propagandawirksamkeit – weiterhin über Sympathisanten und Sympathisantinnen. Im Internet wurden auch Videobotschaften deutscher IS-Kämpfer verbreitet, die für den Jihad werben.

  • Betätigungsverbot des IS in Deutschland

Der Bundesminister des Innern hat am 12. September 2014 die Betätigung der Vereinigung IS sowie die öffentliche Verwendung und Verbreitung von dessen Schriften und Symbolen verboten.
 

Was ist das al-Qaida-Netzwerk?

Im Unterschied zu vielen anderen islamistischen Terrornetzwerken oder Organisationen verfolgt al-Qaida langfristig und länderübergreifend das Ziel, ein weltweites Kalifat zu errichten. Al-Qaida ist für eine Vielzahl von Terroranschlägen weltweit – z. B. die Anschläge am 11. September 2001 in den USA – mit Tausenden Toten und Verletzten verantwortlich.

  • Entstehung und Entwicklung

Die Ursprünge des al-Qaida-Netzwerks lassen sich zurückführen auf den Konflikt um das sowjetisch besetzte Afghanistan der Jahre 1979 bis 1989. Eine herausragende Stellung nahmen seit 1984 der palästinensische Jihad-Ideologe Abdullah Azzam und der Saudi Usama Bin Ladin ein.

Nach dem Tod Abdullah Azzams war es das Ziel Bin Ladins, den Jihad auch in anderen Konfliktgebieten wie Kaschmir, Indonesien, Tschetschenien, Bosnien und Somalia zu unterstützen. Mit der Machtübernahme der Taliban 1996 kehrte Bin Ladin mit seinem Gefolge nach Afghanistan zurück und agierte von dort aus bis zu seiner Flucht im Jahre 2001 unter dem Schutz des Taliban-Führers Mullah Omar.

Seit Mitte der 1990er-Jahre ist ein Netzwerk aus Afghanistanveteranen entstanden, die in ihren Heimatländern ihrerseits Organisationen gründeten bzw. unterstützten, wie z. B. Abu Sayyaf auf den Philippinen, al-Qaida im Irak, die somalischen al-Shabab-Milizen oder al-Qaida auf der arabischen Halbinsel (AQAH).

Anschläge werden häufig von autonomen Zellen oder „freien Mitarbeitern“ geplant und durchgeführt. Attentäter bekommen oftmals nachträglich den „Segen“ für ihre Anschläge (etwa über Audio- oder Video-Botschaften, die über das Internet verbreitet werden). Während in Ländern wie Irak, Saudi-Arabien und Jemen die Entwicklung des al-Qaida-Netzes dynamisch ist, hat sich – neben dem afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet – in Nordafrika eine relativ stabile Struktur herausgebildet.

Verschiedene Schriftzüge. In der Mitte das Wort „Al-Qaida“.
Terrornetzwerke wie der „Islamische Staat“ (IS) oder Al-Qaida sind für viele Terroranschläge weltweit verantwortlich.
  • Die Ideologie des al-Qaida-Netzwerks

Die hauptsächlich von Bin Ladin und Abdullah Azzam etablierte salafistische Ideologie des al-Qaida-Netzwerks ist stark geprägt von den Schriften Sayyed Qutbs und dessen Weltsicht, dem Jihad-Gedanken und dem Takfir („für ungläubig erklären“). Nach dieser Weltsicht gibt es nur den Islam in seiner durch die Chefideologen Bin Ladin, al-Zawahiri und Azzam geprägten Orientierung an den frommen Altvorderen (al-salaf al-salih), einer konstruierten idyllischen islamischen Frühzeit.
Dem stehen Jahiliyya, der Unglaube und die Unwissenheit um den durch den Propheten Muhammad vermittelten „rechten Weg“, gegenüber. Folgerichtig war es ein zentrales Anliegen Bin Ladins, den Islam von allen unislamischen „Angriffen“ wie Sozialismus und Demokratie freizuhalten. Die Stationierung amerikanischer Truppen in Saudi-Arabien, Afghanistan oder in anderen islamischen Staaten war aus seiner Sicht nicht hinzunehmen.

  • Entwicklungstendenzen

Die Tötung Usama Bin Ladins im Mai 2011 und die Verhaftung oder Tötung zahlreicher Mitglieder aus der alten Führungsriege haben zwar den Kern al-Qaidas geschwächt, das flexible Netzwerk jedoch keinesfalls handlungsunfähig gemacht. Zunehmend versucht al-Qaida unter der Führung von Ayman al-Zawahiri den Charakter einer Bewegung anzunehmen.

Internetverlautbarungen und jihadistische Online-Magazine wenden sich gezielt an Personen außerhalb der bestehenden al-Qaida-Strukturen und Netzwerke mit dem Ziel, diesen Personenkreis für Anschläge zu gewinnen. Al-Qaida auf der arabischen Halbinsel (AQAH) kommt nach wie vor eine führende Rolle zu. Von ihr gehen zahlreiche Anschlagspläne aus.
Sowohl al-Qaida als auch der IS versuchen sich der Öffentlichkeit als führende jihadistische Organisation zu präsentieren, nicht zuletzt indem sie Terroranschläge verüben. Sie stehen somit in einem Konkurrenzverhältnis zueinander. Dem IS ist es mit der Ausrufung des Kalifats gelungen, seinen Einfluss in der jihadistischen Szene deutlich zu steigern.

Zum 17. Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 veröffentlichte „al-Qaida“ eine Botschaft ihres derzeitigen Anführers al-Zawahiri. Darin rief er zu einem weltweiten Jihad gegen die USA auf und bezog sich dabei auch auf die Verlegung der US-Botschaft in Israel von Tel Aviv nach Jerusalem. Bereits 2017 drohte Usama bin Ladins Sohn Hamza den USA in einer Audiobotschaft künftig mit Racheakten.

Teile dieses Textes beruhen auf Veröffentlichungen des Bundesamts für Verfassungsschutz.