Antworten auf Salafismus

Gruppe von Männern und Frauen, teilweise islamisch gekleidet, die etwas fotografieren.

Hauptinhalt

Wie sind Salafisten organisiert?

Der Salafismus gilt zurzeit in Deutschland und weltweit als die antriebsstärkste islamistische Bewegung. Seit Jahren wächst in Deutschland die Anhängerschaft. Die Triebkraft salafistischer Bestrebungen wird sich bis auf Weiteres fortsetzen; deshalb müssen wir mit weiter steigenden Anhängerzahlen rechnen. Dies gilt auch für den Zulauf von Personen aus anderen islamistischen Organisationen zu salafistischen Gruppierungen.

Deutschlandweit ist eine wachsende „Infrastruktur“ des Salafismus festzustellen. Die salafistische Szene ist allerdings meist nur lose organisiert und weist eine hohe Dynamik auf. Feste, formale Strukturen sind kaum vorhanden. Eine Ausnahme hiervon bilden örtliche salafistische Vereine; sie sind oft gleichzeitig Träger salafistisch geprägter Moscheen. Daneben werden zunehmend lose Netzwerke oder Einzelpersonen aktiv.
Die Netzwerke zeigen sich nach außen durch Infostände (LIES!-Kampagne) oder durch Abhaltung von Benefizveranstaltungen, bei denen prominente salafistische Prediger auftreten.


„Islamische Gefangenenhilfe“

Solidarisierungsbekundungen der salafistischen Szene mit inhaftierten „Glaubensgeschwistern“ sind kein neues Phänomen. Vor allem im Internet wird zu (finanziellen) Hilfeleistungen für inhaftierte Gleichgesinnte aufgerufen. Protagonisten aus der salafistischen Szene besuchen Gefangene in Haft und nehmen an Gerichtsverhandlungen vor Ort teil.
Zum einen wird der westliche Rechtsstaat als ungerechtes System dargestellt, zum anderen sollen durch solche Aktionen „Glaubensgeschwister“ weiterhin an die salafistische Ideologie gebunden werden. Dies verhindert Resozialisierungsprozesse.

Ein Beispiel hierfür ist die „Islamische Gefangenenhilfe“: Immer wieder werden Namen von Inhaftierten veröffentlicht, denen geholfen werden soll. Neben einer vermeintlich moralischen Unterstützung der Strafgefangenen geht es hierbei um Aspekte wie Prozessbeobachtung, einschlägige Berichterstattung und Mobilisierung weiterer Unterstützer.

Balkendiagramm mit Jahreszahlen.
Von 2013 bis 2016 stieg die Zahl der Salafisten in Deutschland von 5.500 auf 9.200.

Für deutschsprachige Muslime gibt es mittlerweile ein breites salafistisches Bildungsangebot:

  • eine große Auswahl von Broschüren
  • Internetangebote
  • Vorträge von Predigern und prominenten „Online-Imamen“
  • Schulungen vor Ort und/oder im Internet

Gerade Führungspersönlichkeiten mit starker Ausstrahlung verbreiten die salafistische Ideologie und ziehen verstärkt v. a. junge Menschen an.


Situation in Bayern

In vielen bayerischen Städten kann man Aktivitäten von Salafisten beobachten. In der Regel organisieren sich die Anhänger in Netzwerken. Sie betreiben regelmäßig Infostände, bei denen überwiegend salafistische Publikationen verteilt werden.

Moscheen, die von salafistischen Vereinen unterhalten werden, werden als Plattformen für salafistische Vortragsveranstaltungen und salafistischen Islamunterricht genutzt. Hier treten – teilweise regelmäßig – Prediger auf, die salafistisches Gedankengut verbreiten.

Salafisten und salafistische Gruppierungen vernetzen sich zunehmend im Internet. Soziale Netzwerke spielen hierbei eine entscheidende Rolle.

Salafistische Netzwerke bilden sich auch abseits von Moscheen und Vereinen. Innerhalb dieser Netzwerke herrscht ein starkes Gemeinschaftsgefühl. Dieser Zusammenhalt fördert die Radikalisierung – bis hin zur Bereitschaft, in den gewaltsamen Jihad zu ziehen. 2016 wurden dieser gewaltbereiten Szene knapp ein Fünftel der rund 650 Salafisten in Bayern zugeordnet – also etwa 130 Personen.


Glossar

Moschee

Arabisch: Masjid (türk. mescid): Islamisches Gotteshaus. Wörtlich: Ort, an dem man sich niederwirft.

Salafistischer Prediger

In der salafistischen Szene bekannte und aktive Vortragende. Bei einigen handelt es sich um Konvertiten. Diese Personen sind keine ausgebildeten Imame (islamische Prediger), sondern Laienprediger. Die Vorträge dieser Personen werden regelmäßig und umfassend in soziale Netzwerke eingestellt und sind dort jedem zugänglich. Viele unterhalten eigene Facebook-Seiten und kommunizieren auch auf diesem Weg mit ihren Anhängern.