Antworten auf Salafismus

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Hilfe & Beratung

Das Bayerische Netzwerk für Prävention und Deradikalisierung gegen Salafismus koordiniert die Aktivitäten verschiedener Partner. Dabei arbeitet es mit zwei nicht-staatlichen Trägern zusammen: ufuq.de und VPN. Hier finden Sie Kontaktadressen für alle Fragen rund ums Thema Salafismus – von der Anlaufstelle im Notfall bis zur Beratung für Projektträger. An den Fallbeispielen sehen Sie, wie Beratungen ablaufen können.


Bei Verdachtsfällen und akuter Gefahr

Sie haben den Verdacht, dass sich eine Person in ihrem Umfeld radikalisieren könnte oder sich bereits radikalisiert hat? Sie haben Hinweise auf verfassungsfeindliche Aktivitäten oder auf eine drohende Gefahr? Wir helfen Ihnen weiter! Die Sicherheitsbehörden in Bayern gehen allen Hinweisen z. B. auf salafistische Aktivitäten, Radikalisierungsfälle oder Ausreisesachverhalte im jihadistischen Kontext nach.

Bei Verdacht auf eine Radikalisierung

Kompetenzzentrum für Deradikalisierung im Bayerischen Landeskriminalamt
Mailingerstraße 15
80636 München
Hotline: (089) 1212 19 99
E-Mail schreiben

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Bei vertraulichen Hinweisen bzw. Verdacht auf verfassungsfeindliche Aktivitäten

Bayerisches Landesamt für Verfassungsschutz (LfV)
Knorrstraße 139
80937 München
Telefon: (089) 3120 14 80
E-Mail schreiben

Logo: Bayerisches Landesamt für Verfassungsschutz.
Bei akuter Gefahr

Wenden Sie sich bitte (rund um die Uhr) an eine Polizeidienststelle oder wählen Sie die 110.
Auf der Website der Polizei Bayern finden Sie eine Dienststelle in Ihrer Nähe (oben links unter „Dienststellensuche“ Ihren Ort eingeben).


Beratung für Angehörige und Betroffene

Ein junger Mensch in Ihrer Familie bzw. Ihrem Umfeld ist radikalisiert oder gefährdet?
Sie gehören einer salafistischen Gruppe an und möchten aussteigen?

VPN ist Ansprechpartner, wenn sich Radikalisierung abzeichnet.

Zielgruppen

  • Einzelne Jugendliche, die radikale Tendenzen aufweisen
  • Angehörige und Unterstützende von ausstiegs- und distanzierungswilligen Jugendlichen und jungen Erwachsenen

Angebot

  • Beratung von Angehörigen in der Auseinandersetzung mit religiös begründetem Extremismus zur Stärkung der erzieherischen Präsenz sowie der Kommunikations- und Konfliktfähigkeit
  • Beratung, Begleitung und spezifisches Training für radikalisierungsgefährdete junge Menschen im Vorfeld einer Straffälligkeit
  • Intervenierende Maßnahmen bei extremistisch motivierten Gewalttätern im Strafvollzug (Deradikalisierungstraining in Haft und Stabilisierungscoaching nach Entlassung)
  • Ausstiegsberatung und -begleitung für Radikalisierte (auch: Jihad-Rückkehrer)

Die Beratung ist kostenlos und vertraulich.

Violence Prevention Network e. V. (VPN)
Beratungsstelle Bayern
Hotline: (089) 4161 17 711
E-Mail schreiben

Logo: Violence Prevention Network.

Jede Person kann sich im Zweifelsfall an alle Ansprechpartner wenden und wird innerhalb des Netzwerks weiterverwiesen. Die Beratung ist kostenlos.


Anlaufstelle für Schule und Jugendarbeit

Sie möchten – z. B. als Lehrkraft oder Fachkraft in der Kinder- und Jugendarbeit – junge Menschen stärken und vor Ideologisierung schützen?

ufuq.de ist Ansprechpartner

  • für die Prävention von religiös begründeter Radikalisierung und
  • im Umgang mit demokratie- und freiheitsfeindlichen Einstellungen im Themenfeld Islam, Islamismus und Islamfeindlichkeit

Zielgruppen

  • Pädagogische Fachkräfte im Umfeld von Jugendlichen (z. B. Lehrkräfte)
  • Jugendliche in Bildungseinrichtungen und Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit
  • Nicht: einzelne Jugendliche oder junge Erwachsene, die bereits „radikalisiert“ sind

Angebot

  • Beratung und Fortbildungen für Fachkräfte in Bildungsarbeit, Kinder und Jugendhilfe
  • Materialien, Formate und Handreichungen für die pädagogische Praxis
  • Workshops für Jugendliche

Fachstelle zur Prävention von religiös begründeter Radikalisierung in Bayern
ufuq.de Bayern
Schaezlerstr. 32
86152 Augsburg
Montag – Freitag 9:00 Uhr bis 13:30 Uhr
Telefon: (0821) 6507 85 60
E-Mail schreiben

Logo: ufuq.de.

Beispiele aus der Praxis: VPN und ufuq.de

Wie nehmen Sie Kontakt auf – wie läuft die Beratung ab?
Die folgenden Beispielfälle von Violence Prevention Network (VPN) und ufuq.de Bayern zeigen, was möglich ist – für Eltern, Lehrkräfte, Fachkräfte in der Jugendsozialarbeit sowie Mitarbeiter in der Flüchtlingshilfe.

Was passiert, wenn ein Fall die öffentliche Sicherheit gefährdet? Lesen Sie dazu unser Beispiel weiter unten („Sicherheitsrelevanter Fall“)!

Eine Fachkraft der Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS) kontaktiert VPN telefonisch. Sie bittet um Beratung und Unterstützung bei der Einschätzung und beim Umgang mit Max. Der Jugendliche fällt durch seine Begeisterung für den Jihad auf und versucht aggressiv, andere Jugendliche zu missionieren. Im ersten Gespräch tauschen sich die Fachkräfte der Jugendhilfe und von VPN intensiv aus: über den Grad der möglichen Radikalisierung, denkbare Ansatzpunkte für einen Zugang und ggf. die Möglichkeit einer Beratung des Jugendlichen und der Eltern durch eine Fachkraft von VPN. Erhärtet sich der Verdacht auf eine Radikalisierung und erkennen die Fachkräfte Ansatzpunkte für Maßnahmen der Deradikalisierung, übernimmt VPN den Fall. Die Beratung und Begleitung durch VPN erfolgt im engen Informationsaustausch mit der Jugendhilfe und ggf. anderen Behörden.

Ein Jugendlicher verhält sich auffällig (verändert sich stark, spricht plötzlich vom Jihad o. Ä.). Lehrkräfte, Bekannte und Eltern machen sich deswegen Sorgen, wissen aber nicht, wie „ernst“ es ist. Sie wenden sich an VPN. Dort finden sie Unterstützung und Beratung.

Was geschieht, wenn sich der Verdacht auf eine Radikalisierung erhärtet?

  1. VPN nimmt Kontakt zu dem Jugendlichen auf, spricht mit ihm.
  2. Wenn nötig: langfristige, nachhaltige Beratung und Begleitung des Jugendlichen und seines Umfelds.

Familie, Freunde, Lehrer oder andere Personen im Umfeld eines sich radikalisierenden Jugendlichen wenden sich an die BAMF-Hotline. Die Mitarbeiter der Beratungsstelle im BAMF hören zu, beantworten Fragen und entscheiden mit dem Anrufer gemeinsam über die nächsten Schritte. Auf Wunsch vermitteln sie einen Ansprechpartner vor Ort, in Bayern zum Beispiel VPN. VPN übernimmt dann die weitere Beratung.

Wird die öffentliche Sicherheit gefährdet, stimmt VPN den Fall mit dem Kompetenzzentrum für Deradikalisierung (KomZ) im Bayerischen Landeskriminalamt ab. Wenn die Sicherheitsbehörden sicherheitsrelevante Bezüge bestätigen, übernimmt das Kompetenzzentrum die weitere Koordinierung. Die Beratungen seitens VPN bleiben davon unberührt.

Ein Praxisbeispiel:

Eine 14-jährige Konvertitin fällt in der Schule durch eine Wesensveränderung und radikalisierte Äußerungen auf. Sie bekundet zum Beispiel ihre Sympathie für den IS. Außerdem trägt sie nun einen Gesichtsschleier (Niqab) und distanziert sich von ihren Freundinnen.
Die Schulleiterin ist besorgt und wendet sich an die Polizei. Die Ermittlungen zeigen, dass das Mädchen bereits über das Internet Kontakt zu Personen hat, die sie zur Ausreise nach Syrien auffordern. Sie versuchen, das Mädchen über ein Heiratsportal an ausländische Kämpfer zu vermitteln.
Das Kompetenzzentrum für Deradikalisierung (KomZ) analysiert zunächst den Sachverhalt. Ein wichtiger Schritt ist dabei, einen Zugang zu der Familie und zum betroffenen Mädchen selbst zu erarbeiten.
In Absprache mit den Ermittlungsdienststellen wird den Eltern ein Ansprechpartner von VPN vermittelt. Ein Betreuer von VPN besucht anschließend die Familie. Er berät die Eltern zum Umgang mit ihrer Tochter und erläutert ihnen das Phänomen der Radikalisierung. Dadurch schafft er es, auch zu der 14-Jährigen selbst durchzudringen.
Durch die Beratung hat sich die Situation des Mädchens stabilisiert. Entwicklungen, die zu einer erneuten Gefährdung des Mädchens führen könnten, muss entgegengewirkt werden. Deshalb ist das Kompetenzzentrum Ansprechpartner und klärt sicherheitsrelevante Aspekte des Falls. Bei Bedarf unterstützt das KomZ die Mitarbeiter von VPN bei der Kontaktaufnahme mit Sozialeinrichtungen oder anderen Behörden.
 

  • Die Fachkräfte eines Jugendhauses, in dem Jugendliche unterschiedlichster Herkunft ihre Freizeit verbringen, möchten sich informieren und mehr Sicherheit im pädagogischen Umgang mit Islam und Islamfeindlichkeit (Diskriminierungen) gewinnen. Zudem möchten sie ideologischen (hier vor allem religiös begründeten) Positionen und Verhaltensformen vorbeugen. Sie wenden sich mit der Bitte um eine Fortbildung an die Fachstelle.
  • Die Jugendschutzfachkraft des Jugendamts plant zusammen mit einer Lehrerin einen Workshop mit Schülerinnen und Schülern, um diese für die Angebote von Salafisten zu sensibilisieren. Zur inhaltlichen und didaktischen Ausgestaltung des Workshops wendet sich die Jugendschutzfachkraft an die Fachstelle.
  • Einige muslimische Mädchen kommen neuerdings vollverschleiert ins Jugendzentrum. Andere Jugendliche fühlen sich dadurch provoziert – es kommt zu Streitigkeiten. Die Sozialpädagogin tauscht sich dazu mit ihren Kolleginnen und Kollegen der Jugendzentren im Landkreis aus. Gemeinsam mit dem Kommunalen Jugendpfleger planen sie eine Fortbildung für die Fachkräfte mit ufuq.de, in der es auch um mögliche Workshops für die Jugendlichen geht. Diese können in den Einrichtungen durch die Mitarbeitenden durchgeführt werden.
  • Im Rahmen einer Gruppenarbeit zur Konfliktprävention fallen der Fachkraft für Jugendsozialarbeit (JaS) mehrere Jugendliche auf, die sich auf ihren Smartphones Gewaltvideos von IS-Kämpfern anschauen. Die Fachkraft informiert sich bei ufuq.de über mögliche Hintergründe sowie über Informationsmaterial und Optionen im Umgang mit der Problematik (z. B. Abklärung). Außerdem erhält sie Informationen zu weiteren Anlaufstellen für den Fall, dass sich Hinweise auf eine Ideologisierung einzelner Jugendlicher verdichten.
  • Mitarbeitende von Unterkünften für Geflüchtete und in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe für unbegleitete Minderjährige sind beunruhigt darüber, dass sich einzelne Bewohnerinnen und Bewohner radikalisieren könnten. Mit der Bitte um allgemeine Informationen zum Islam,  zum Islamismus und zu Erkennungsmerkmalen etwaiger Ideologisierung wenden sie sich an die Fachstelle von ufuq.de in Augsburg. Sie informieren sich über Optionen eines präventiv wirksamen und gleichzeitig sensiblen Umgangs mit dem Themenfeld.
  • In der Arbeit mit einer Schulklasse kommen Fragen zu Islam und Islamismus, Jihad oder Rassismus auf. Die Lehrkraft möchte das Thema gerne mit den Jugendlichen behandeln bzw. mit ihnen darüber ins Gespräch kommen. Sie weiß aber nicht wie. Also wendet sie sich an die Fachstelle (ufuq.de).

    Hier gibt es unterschiedliche Möglichkeiten und Angebote:
    1. Von ufuq.de ausgebildete Teamer/innen veranstalten gemeinsam mit den Jugendlichen einen Workshop zu Themen wie Zugehörigkeit, Diskriminierung oder Salafismus (Leitmotiv der Workshops: „Wie wollen wir leben?“)
    2. Die Lehrkraft schließt sich mit Kollegen zusammen. Gemeinsam nehmen sie an einer Fortbildung von ufuq.de zur pädagogischen Arbeit im Themenfeld Islam, Islamismus und Islamfeindlichkeit teil.

Unterstützung von Infoveranstaltungen

Sie möchten eine Informationsveranstaltung zum Thema Salafismus durchführen? Die Interministerielle Arbeitsgruppe hilft z. B. bei der

  • inhaltlichen Planung und
  • Vermittlung von Referenten

Interministerielle Arbeitsgruppe (IMAG)
Kontakt:
E-Mail schreiben oder über unser Kontaktformular

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Kommunale Präventionsnetzwerke gründen

Sie möchten ein kommunales Präventionsnetzwerk aufbauen? Das Bayerische Sozialministerium

  • fördert den Aufbau kommunaler Präventionsnetzwerke und
  • ist Ansprechpartner bei Fragen
     

Bayerisches Sozialministerium
Winzererstraße 9
80797 München
E-Mail schreiben

Logo: Bayerisches Sozialministerium.

Hilfe bei Projektplanung

Zielgruppen

  • Vereine, Initiativen, die auf das Thema Salafismus aufmerksam machen möchten

Angebot

  • Beratung im Vorfeld eines Projekts
  • Unterstützung bei der Umsetzung von Projekten
  • Informationen zu Fördermöglichkeiten
  • Hilfe bei Antragstellung und Verfahren